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01.03.26.04.2026

Veit Mette

Gewissheiten

Fotografie

Ausstellungsprogramm

Vernissage
Begrüẞung und Einführung
Kunstgespräch im Kunstverein
Finissage

Mit die­ser Ausstellung prä­sen­tiert der Kunstverein neue Arbeiten des Bielefelder Fotografen Veit Mette (Jahrgang 1961). Seine doku­men­ta­ri­schen Bilder sind als Momentaufnahmen die foto­gra­fi­sche Biografie einer Stadt: Bielefeld. Sie hal­ten künst­le­risch fest, was sonst im Strom der Zeit ver­lo­ren geht. Den Menschen in die­ser Stadt zei­gen sie, wer sie waren und wer sie gewor­den sind. Ob nun mit sei­nen groß­for­ma­ti­gen Bildern in der Universität, den Fotografien von Menschen aus Bethel, die auf einem Stadtbahnzug durch Bielefeld unter­wegs sind, oder mit den zahl­rei­chen ande­ren Kunstprojekten Mettes – stets liegt ihrer Präsenz der Wunsch zugrun­de, die Kunst in den Alltag der Menschen hin­ein­zu­ho­len.
Mit den gesell­schaft­li­chen Brüchen – sei­en es Probleme der fort­schrei­ten­den Urbanisierung, der öko­lo­gi­schen Krise oder radi­ka­le poli­ti­sche Verwerfungen – sind uns allen alte Gewissheiten abhan­den­ge­kom­men. Wie bei einem Seismografen hat Veit Mettes Kunst sich ver­än­dert und die Form einer Suchbewegung ange­nom­men. Mithilfe von Mehrfachbelichtungen setzt er Bildwelten in Bewegung, die das Unscharfe und Ungewisse die­ser Suche aus­drü­cken. Die Grenze zwi­schen Fotografie, gra­fi­scher Darstellung oder Malerei wird dabei über­schrit­ten und stellt den Versuch dar, die Suche nach neu­en Gewissheiten zu einer all­ge­mei­nen, zu einer gemein­sa­men Sache zu machen.

Grußwort des zwei­ten stell­ver­tre­ten­den Bürgermeisters der Stadt Oerlinghausen, Dennis Thon, zur Eröffnung der Ausstellung Gewissheiten von Veit Mette am 1. März 2026

Sehr geehr­te Damen und Herren,
lie­be Mitglieder des Kunstvereins Oerlinghausen, sehr geehr­ter Herr Mette,
lie­be Freundinnen und Freunde der Kunst,

mein Name ist Dennis Thon und ich freue mich sehr, Sie heu­te hier begrü­ßen zu dür­fen – im Namen des Rates und der Stadt Oerlinghausen und ganz per­sön­lich in mei­ner Funktion als zwei­ter stell­ver­tre­ten­der Bürgermeister. Bitte neh­men Sie unse­re herz­lichs­ten Grüße und die bes­ten Wünsche für die­se Ausstellung ent­ge­gen.
„Alles neu macht der Mai“ heißt es ja bekannt­lich. Der Kunstverein Oerlinghausen ist die­sem Sprichwort und dem Frühling – der sich bereits in sei­nen ers­ten Zügen zeigt – deut­lich vor­aus. So heißt es zum heu­ti­gen Monatsbeginn: „Alles neu macht der März.“ Es ist bereits die zwei­te Ausstellungseröffnung in die­sem noch fri­schen Jubiläumsjahr und ich freue mich sehr, auch heu­te wie­der ein paar Worte an Sie rich­ten zu dür­fen – und Sie, sehr geehr­ter Herr Mette, hier bei uns in Oerlinghausen ganz herz­lich will­kom­men zu hei­ßen.

Der Titel die­ser Ausstellung lau­tet Gewissheiten. Ein gro­ßes Wort. Ein star­kes Wort. Vielleicht sogar ein her­aus­for­dern­des Wort – gera­de in einer Zeit, in der Vieles, was uns lan­ge selbst­ver­ständ­lich erschien, ins Wanken gera­ten ist. Gewissheiten geben Halt. Sie struk­tu­rie­ren unser Denken, unser Handeln, unser Zusammenleben. Doch wir alle spü­ren: Viele die­ser Sicherheiten sind brü­chig gewor­den. Gesellschaftliche Umbrüche, öko­lo­gi­sche Herausforderungen, poli­ti­sche Spannungen – sie ver­än­dern unse­ren Blick auf die Welt. Was ges­tern noch fest­ge­fügt schien, wirkt heu­te fra­gil. Und genau an die­sem Punkt setzt die Kunst von Veit Mette an.
Seit nun­mehr eini­gen Jahrzehnten prägt Veit Mette mit sei­nen foto­gra­fi­schen Arbeiten das visu­el­le Gedächtnis einer Stadt – sei­ner Stadt Bielefeld. Seine doku­men­ta­ri­schen Bilder sind mehr als blo­ße Momentaufnahmen.
Im Text zum Ausstellungsprogramm heißt es mit Hinblick auf sei­ne Projekte: „… stets liegt ihrer Präsenz der Wunsch zugrun­de, die Kunst in den Alltag der Menschen hin­ein­zu­ho­len.“ Dass hier die Grenzen flie­ßend sind, wird deut­lich, indem sie umge­kehrt auch die Menschen in den Alltag der Gemeinschaft holen.

Ob mit groß­for­ma­ti­gen Arbeiten im öffent­li­chen Raum, mit ein­drucks­vol­len Projekten wie der Bethelbahn oder mit Fotografien, die Menschen im Alltag begeg­nen – immer geht es dar­um, Kunst nicht im Elfenbeinturm zu ver­or­ten, son­dern sie mit­ten ins Leben zu holen. Kunst als Teil des öffent­li­chen Raumes. Kunst als Gesprächsangebot. Kunst als Spiegel. Doch die­se Ausstellung trägt nicht nur einen Titel – sie for­mu­liert eine Frage. Denn wenn alte Gewissheiten schwin­den, was tritt an ihre Stelle?
In sei­nen neue­ren Arbeiten ver­lässt Veit Mette die kla­re doku­men­ta­ri­sche Linie, bei der ein Moment durch den Augenblick, den Auslöser – den Bruchteil einer Sekunde – fest­ge­hal­ten wird.
Durch Mehrfachbelichtungen ent­ste­hen Bildwelten, die sich über­la­gern, ver­schie­ben, durch­drin­gen. Das Eindeutige wird unscharf, Konturen lösen sich auf. Die Grenze zwi­schen Fotografie, gra­fi­scher Darstellung und Malerei beginnt zu ver­schwim­men. Aus meh­re­ren Augenblicken wird somit ein neu­ar­ti­ger Moment fest­ge­hal­ten und dar­über hin­aus eine Gewissheit geschaf­fen.

Meine Damen und Herren,
der Kunstverein Oerlinghausen beweist in sei­nem 50. Jubiläumsjahr erneut ein fei­nes Gespür für aktu­el­le künst­le­ri­sche Positionen. Nach dem Blick auf male­ri­sche Innovationen zu Jahresbeginn rich­tet sich der Fokus nun auf foto­gra­fi­sche Transformation und gesell­schaft­li­che Reflexion. Das zeigt: Dieser Verein ist nicht nur tra­di­ti­ons­reich, son­dern auch leben­dig, neu­gie­rig und offen für neue Perspektiven.
Die Stadt Oerlinghausen weiß die­ses Engagement sehr zu schät­zen. Der Kunstverein ist ein unver­zicht­ba­rer Bestandteil unse­res kul­tu­rel­len Lebens. Er schafft Räume für Begegnung, für Austausch – und manch­mal auch für Irritation. Und genau das brau­chen wir.

Vielleicht ist es ja so: Gewissheiten ent­ste­hen nicht dadurch, dass alles ein­deu­tig ist. Vielleicht ent­ste­hen sie gera­de im gemein­sa­men Gespräch, im gemein­sa­men Schauen, im gemein­sa­men Nachdenken. Ich wün­sche der Ausstellung Gewissheiten vie­le inter­es­sier­te Besucherinnen und Besucher, leben­di­ge Diskussionen und inspi­rie­ren­de Momente. Mögen die Werke von Veit Mette uns neue Perspektiven eröff­nen.
Ich dan­ke Herrn Mette herz­lich dafür, dass er heu­te hier ist und uns an sei­ner Arbeit teil­ha­ben lässt. Mein Dank gilt eben­so dem Kunstverein für die vie­le Arbeit im Hintergrund – und Ihnen allen, die Sie durch Ihr Kommen zei­gen, wie leben­dig Kunst in unse­rer Stadt ist.

Und ich habe – pas­send zum Ausstellungsthema – die ein­deu­ti­ge Gewissheit: Dieser Ort wird auch in Zukunft ein Ort der Erinnerung, der Mahnung und vor allem der Inspiration und des Austauschs blei­ben.
Nicht, weil es selbst­ver­ständ­lich wäre, son­dern weil Menschen wie Sie, lie­ber Kunstverein Oerlinghausen, ihn immer wie­der mit Leben fül­len.

Vielen Dank.

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