01.03.–26.04.2026
Veit Mette
Gewissheiten

Ausstellungsprogramm
Vernissage
- 01.03.2026, 11:30 Uhr
- Veit Mette ist anwesend
Begrüẞung und Einführung
- Isolde Müller-Borchert,
- 1. Vorsitzende des Kunstvereins
- Prof. Dr. Andreas Beaugrand,
- Künstlerischer Leiter
Kunstgespräch im Kunstverein
- Im Gespräch mit Prof. Dr. Andreas Beaugrand
Finissage
- 26.04.2026, 15 Uhr
Mit dieser Ausstellung präsentiert der Kunstverein neue Arbeiten des Bielefelder Fotografen Veit Mette (Jahrgang 1961). Seine dokumentarischen Bilder sind als Momentaufnahmen die fotografische Biografie einer Stadt: Bielefeld. Sie halten künstlerisch fest, was sonst im Strom der Zeit verloren geht. Den Menschen in dieser Stadt zeigen sie, wer sie waren und wer sie geworden sind. Ob nun mit seinen großformatigen Bildern in der Universität, den Fotografien von Menschen aus Bethel, die auf einem Stadtbahnzug durch Bielefeld unterwegs sind, oder mit den zahlreichen anderen Kunstprojekten Mettes – stets liegt ihrer Präsenz der Wunsch zugrunde, die Kunst in den Alltag der Menschen hineinzuholen.
Mit den gesellschaftlichen Brüchen – seien es Probleme der fortschreitenden Urbanisierung, der ökologischen Krise oder radikale politische Verwerfungen – sind uns allen alte Gewissheiten abhandengekommen. Wie bei einem Seismografen hat Veit Mettes Kunst sich verändert und die Form einer Suchbewegung angenommen. Mithilfe von Mehrfachbelichtungen setzt er Bildwelten in Bewegung, die das Unscharfe und Ungewisse dieser Suche ausdrücken. Die Grenze zwischen Fotografie, grafischer Darstellung oder Malerei wird dabei überschritten und stellt den Versuch dar, die Suche nach neuen Gewissheiten zu einer allgemeinen, zu einer gemeinsamen Sache zu machen.
Grußwort des zweiten stellvertretenden Bürgermeisters der Stadt Oerlinghausen, Dennis Thon, zur Eröffnung der Ausstellung Gewissheiten von Veit Mette am 1. März 2026
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder des Kunstvereins Oerlinghausen, sehr geehrter Herr Mette,
liebe Freundinnen und Freunde der Kunst,
mein Name ist Dennis Thon und ich freue mich sehr, Sie heute hier begrüßen zu dürfen – im Namen des Rates und der Stadt Oerlinghausen und ganz persönlich in meiner Funktion als zweiter stellvertretender Bürgermeister. Bitte nehmen Sie unsere herzlichsten Grüße und die besten Wünsche für diese Ausstellung entgegen.
„Alles neu macht der Mai“ heißt es ja bekanntlich. Der Kunstverein Oerlinghausen ist diesem Sprichwort und dem Frühling – der sich bereits in seinen ersten Zügen zeigt – deutlich voraus. So heißt es zum heutigen Monatsbeginn: „Alles neu macht der März.“ Es ist bereits die zweite Ausstellungseröffnung in diesem noch frischen Jubiläumsjahr und ich freue mich sehr, auch heute wieder ein paar Worte an Sie richten zu dürfen – und Sie, sehr geehrter Herr Mette, hier bei uns in Oerlinghausen ganz herzlich willkommen zu heißen.
Der Titel dieser Ausstellung lautet Gewissheiten. Ein großes Wort. Ein starkes Wort. Vielleicht sogar ein herausforderndes Wort – gerade in einer Zeit, in der Vieles, was uns lange selbstverständlich erschien, ins Wanken geraten ist. Gewissheiten geben Halt. Sie strukturieren unser Denken, unser Handeln, unser Zusammenleben. Doch wir alle spüren: Viele dieser Sicherheiten sind brüchig geworden. Gesellschaftliche Umbrüche, ökologische Herausforderungen, politische Spannungen – sie verändern unseren Blick auf die Welt. Was gestern noch festgefügt schien, wirkt heute fragil. Und genau an diesem Punkt setzt die Kunst von Veit Mette an.
Seit nunmehr einigen Jahrzehnten prägt Veit Mette mit seinen fotografischen Arbeiten das visuelle Gedächtnis einer Stadt – seiner Stadt Bielefeld. Seine dokumentarischen Bilder sind mehr als bloße Momentaufnahmen.
Im Text zum Ausstellungsprogramm heißt es mit Hinblick auf seine Projekte: „… stets liegt ihrer Präsenz der Wunsch zugrunde, die Kunst in den Alltag der Menschen hineinzuholen.“ Dass hier die Grenzen fließend sind, wird deutlich, indem sie umgekehrt auch die Menschen in den Alltag der Gemeinschaft holen.
Ob mit großformatigen Arbeiten im öffentlichen Raum, mit eindrucksvollen Projekten wie der Bethelbahn oder mit Fotografien, die Menschen im Alltag begegnen – immer geht es darum, Kunst nicht im Elfenbeinturm zu verorten, sondern sie mitten ins Leben zu holen. Kunst als Teil des öffentlichen Raumes. Kunst als Gesprächsangebot. Kunst als Spiegel. Doch diese Ausstellung trägt nicht nur einen Titel – sie formuliert eine Frage. Denn wenn alte Gewissheiten schwinden, was tritt an ihre Stelle?
In seinen neueren Arbeiten verlässt Veit Mette die klare dokumentarische Linie, bei der ein Moment durch den Augenblick, den Auslöser – den Bruchteil einer Sekunde – festgehalten wird.
Durch Mehrfachbelichtungen entstehen Bildwelten, die sich überlagern, verschieben, durchdringen. Das Eindeutige wird unscharf, Konturen lösen sich auf. Die Grenze zwischen Fotografie, grafischer Darstellung und Malerei beginnt zu verschwimmen. Aus mehreren Augenblicken wird somit ein neuartiger Moment festgehalten und darüber hinaus eine Gewissheit geschaffen.
Meine Damen und Herren,
der Kunstverein Oerlinghausen beweist in seinem 50. Jubiläumsjahr erneut ein feines Gespür für aktuelle künstlerische Positionen. Nach dem Blick auf malerische Innovationen zu Jahresbeginn richtet sich der Fokus nun auf fotografische Transformation und gesellschaftliche Reflexion. Das zeigt: Dieser Verein ist nicht nur traditionsreich, sondern auch lebendig, neugierig und offen für neue Perspektiven.
Die Stadt Oerlinghausen weiß dieses Engagement sehr zu schätzen. Der Kunstverein ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres kulturellen Lebens. Er schafft Räume für Begegnung, für Austausch – und manchmal auch für Irritation. Und genau das brauchen wir.
Vielleicht ist es ja so: Gewissheiten entstehen nicht dadurch, dass alles eindeutig ist. Vielleicht entstehen sie gerade im gemeinsamen Gespräch, im gemeinsamen Schauen, im gemeinsamen Nachdenken. Ich wünsche der Ausstellung Gewissheiten viele interessierte Besucherinnen und Besucher, lebendige Diskussionen und inspirierende Momente. Mögen die Werke von Veit Mette uns neue Perspektiven eröffnen.
Ich danke Herrn Mette herzlich dafür, dass er heute hier ist und uns an seiner Arbeit teilhaben lässt. Mein Dank gilt ebenso dem Kunstverein für die viele Arbeit im Hintergrund – und Ihnen allen, die Sie durch Ihr Kommen zeigen, wie lebendig Kunst in unserer Stadt ist.
Und ich habe – passend zum Ausstellungsthema – die eindeutige Gewissheit: Dieser Ort wird auch in Zukunft ein Ort der Erinnerung, der Mahnung und vor allem der Inspiration und des Austauschs bleiben.
Nicht, weil es selbstverständlich wäre, sondern weil Menschen wie Sie, lieber Kunstverein Oerlinghausen, ihn immer wieder mit Leben füllen.
Vielen Dank.