Vor 40 Jahren wurde die Alte Synagoge mit einer Ausstellung von Kinderbuchillustrationen des gebürtigen Oerlinghausers und Mitbegründers des Kunstvereins, Bernhard Oberdieck, eröffnet. Jetzt schließt sich der Kreis mit einer Rückschau auf 40 Jahre Kinderbuchillustration.

Der heute in der Nähe des Chiemsees lebende Illustrator hat diese Zeit der Kinderbuchillustration mitgeprägt. Er wurde international bekannt durch seine spezielle Buntstifttechnik und war neben Reinhard Michl einer der ersten deutschen Illustratoren, die in den USA im Bilderbuchmarkt veröffentlichten. Bücher mit seinen Illustrationen gibt es mittlerweile in vielen
Sprachen, viele bekannte Autoren haben mit ihm gearbeitet.

Bernhard Oberdieck hat in seinen klassischen Illustrationen immer versucht, den Vorgaben der Verlage und dem eigenen Anspruch gerecht zu werden. Inwieweit das gelungen ist, wird in der ersten Kunstvereinsausstellung des Jahres 2019 zur Diskussion gestellt.

Aus seinem Büro für sichtbare Poesie, seit kurzem auch in Horn-Bad Meinberg gelegen, sendet der Detmolder Künstler Rainer Nummer (*1949) geheimnisvolle und künstlerisch chiffrierte Botschaften in den Kunstverein Oerlinghausen. Aus vorgefundenen Materialien entstanden fragile plastische und zeichnerische Formen einer Arte Povera, die sich von den Wänden bis ins Gewölbe der Alten Synagoge erstreckt. Kreidestriche, Texte, Realitätsfragmente und Fundstücke wie Draht, Rost, Glas und Geometrien des Vergnügens machen die Kunstbetrachtung zu einem visuellen Ereignis.

22. November 2018, 18:30 Uhr:
Kunstgespräch am Donnerstag

Bilder der Ausstellung

Heimstatt des Kunstvereins Oerlinghausen ist die ehemalige Synagoge am Tönsberg. Durch die Veräußerung etwa ein Vierteljahr vor den Novemberpogromen 1938 entging das Gebäude der Zerstörung durch die Nationalsozialisten. Im Juli 2018 jährte sich der Notverkauf der Synagoge zum 80. Mal jähren. Aus diesem Anlass reflektiert der Bielefelder Künstler Franjo Tholen den Ort hinsichtlich seiner Wirkung und Umgebung mit einfachen Mitteln und knüpft punktuell weitere übergreifende wie subjektive Bezüge.

Ob ehemaliges Gottes- oder aktuelles Kunsthaus, die beschauliche Stätte mit ihrer besonderen Ausstrahlung repräsentiert durchaus all jene sozialen Räume und Konstruktionen, die vornehmlich von Gleichgesinnten zu erbaulichen Begegnungen und Beglaubigungen aufgesucht werden. Die Ausstattungen derartiger Unterkünfte und gewohnter Übereinkünfte wirken wie Echoräume. Deren Resonanzen verführen dazu, in diesen Bauten hausen zu wollen, so oder so.

Gespräche mit dem Künstler:

Donnerstag, 20. Sept. 2018, 18.30 Uhr
Sonntag, 30. Sept. 2018, 16.30 Uhr
Samstag, 6. Okt. 2018, 16.30 Uhr

Die Installationskünstlerin und Bildhauerin Miriam Jonas ist eine Grenzgängerin zwischen Bild und Skulptur, Wand und Raum, geräuschvoller Statik und stiller Bewegung. In ihren präzisen Setzungen scheint sich stets die Materie die Form zu suchen und nicht umgekehrt.
Für die Alte Synagoge entwickelt die Künstlerin vor Ort einen kinetischen Raumtaster, welcher über die gesamte Ausstellungsdauer das geschichtsträchtige Tonnengewölbe streift, abtastet, Spuren hinterlässt, sich biegt und seine Gestalt kontinuierlich verändert.
Miriam Jonas wurde 1981 in Paderborn geboren und lebt seit 2012 als freischaffende Künstlerin in Berlin.

Ausstellungseröffnung mit Miriam Jonas:

Fotos: Jonas Hartz

Video der Eröffnung:

Leitmotiv der künstlerischen Arbeit Ines Doleschals ist seit vielen Jahren die städtische Architektur, deren Erscheinungsbild sie visuell aufnimmt, um sie in ihrem Atelier zu analysieren, zu dekonstruieren und künstlerisch neu zusammenzusetzen. Es entstehen, so scheint es, farbintensive, fantasievolle Bilder von kühnen utopischen Architekturen, die jedoch nichts anderes sind als abstrakte Malerei, die sich in der Alten Synagoge zusammen mit Collagen und Objekten zu einem neu erlebbaren Kunstraum zusammenfügt.
Ines Doleschal wurde 1972 in Waiblingen/Baden-Württemberg geboren; sie lebt und arbeitet in Berlin.

Ausstellungseröffnung mit Ines Doleschal am Sonntag, dem 15. April 2018, um 11.30 Uhr:


Fotos: Andreas Beaugrand

Rigoros verknappte Zeichen einer sehr strengen Formensprache geraten bei dem Bildhauer Werner Pokorny zu ganz konkreten Antworten auf existenzielle Fragen, beziehen Position zu Zivilisation und Kultur und genügen sich doch auch selbst in aller Vollendung als ästhetischer Sehanstoß.

Vor genau 30 Jahren schuf der Künstler die Skulptur Drei Häuser um Säule, die seit nun 27 Jahren im Oerlinghauser Stadtbild verankert ist. Von dort bis zu den aktuellen Arbeiten zieht die Ausstellung in der Alten Synagoge eine Spur konsequenter Formerfindungen in den bevorzugten Materialien Holz und Stahl.

Werner Pokorny wurde 1949 in Mosbach geboren und wirkte u.a. bis 2013 als Professor für allgemeine künstlerische Ausbildung, Schwerpunkt Bildhauerei, an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Er lebt und arbeitet in Ettlingen.

Zur Eröffnungsrede: Gisela Burkamp über Werner Pokorny

Jürgen Traugott Hans Böttcher ist der bedeutendste Dokumentarfilmer der DDR und unter dem Künstlernamen Strawalde international bekannt. Böttcher wurde am 8. Juli 1931 in Frankenberg (Sachsen) geboren und wuchs in Strahwalde in der Oberlausitz auf. Von 1949 bis 1953 studierte er Malerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Von 1955 bis 1960 studierte Jürgen Böttcher Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam und arbeitete bis 1991 im Berliner DEFA-Dokumentarfilmstudio. Darüber hinaus arbeitete er konsequent als Maler und stellte seit 1975 als »Strawalde« in Ost und West aus. 1994 wurde er durch den französischen Präsidenten François Mitterrand mit dem Titel »Officier de l’Ordre des Arts et des Lettres« für sein künstlerisches Gesamtwerk ausgezeichnet. In Deutschland erhielt Böttcher im Jahr 2001 das Bundesverdienstkreuz. 2006 wurde er während der Berlinale mit einer Kamera geehrt.
In der Alten Synagoge wird Strawalde eine »magische Exposition« ausrichten, zu der im Rahmenprogramm Beispiele seiner Dokumentarfilme gezeigt werden.

Gold und Silber, Licht und Schatten, Sonne und Mond,  Yin und Yang – man könnte diese Aufzählung bipolarer Wertigkeiten fortsetzen und trifft stets in den Objektbildern von Marek Radke auf ein bildnerisches Äquivalent an Entsprechungen. Sie haben eines gemein, sie offenbaren  in Farbe und Form sinnenhaft und haptisch die kreative Spannweite künstlerischer Formulierungen. Zugleich stellen sie den intellektuellen Anspruch nach einer zweiten Deutungsebene unter der von Farbspuren verdichteten Oberfläche. Einer der visuellen Auslöser für eine existentielle Sinnsuche ist Gold, Farbe und Materie zugleich, seit Jahrhunderten darauf verwandt, sakrale Inhalte anzuzeigen und als Mysterium in sich zu verschließen. In den neuen Arbeiten dieses Künstlers gerät es zu einem kraftvollen Instrument seiner unverwechselbaren Bildsprache.
Marek Radke wurde 1952 in Olsztyn / Polen, geboren und lebt heute in Bad Driburg. Viele Jahre hatte er sein Atelier in Oerlinghausen. Seine Bilder und Objekte sind in zahlreichen Ausstellungen in Europa und den USA gezeigt worden. 2008 erhielt er das Stipendium der New Yorker Pollock-Krasner Foundation.