Kommende Matineen
Fünf Ausstellungen pro Jahr ermöglichen Künstlerische Leitung und Vorstand in ehrenamtlicher Tätigkeit ihren Mitgliedern und allen kunstinteressierten Bürgerinnen und Bürgern. Ziel aller Unternehmungen ist es, gerade in einer lauten und oberflächlichen Welt Wege zu zeigen, Augen zu öffnen und Sensibilität zu wecken. Neben arrivierten Persönlichkeiten der aktuellen Kunstszene werden immer wieder junge Künstlerinnen und Künstler aufgefordert, ihre Arbeiten in der Öffentlichkeit vorzustellen. Kunst in der Diskussion ist eine Schule für Toleranz. Lesungen, musikalische Veranstaltungen und Themenabende erweitern das anspruchsvolle Angebot des Kunstvereins Oerlinghausen.
11.01.–22.02.2026
Ausstellung
Wolfgang Troschke
Malerische Innovationen
Die Kunst des (früheren) Hochschullehrers, Grafikers und Malers Wolfgang ‚Iki‘ Troschke, 1947 in Hilmarshausen geboren, war bisher immer eine außergewöhnliche Mischung von mythologischer Ikonografie und malerisch-zeichnerischer Improvisation – beeinflusst von den Meistern des deutschen Informel, die er zu einem großen Teil persönlich kannte und die er zu neuer Blüte führte: in Geschichten um Zeichen, die die Betrachtenden immer wieder neu in Kreuzen, Schiffen, Schilden, Toren, Gittern oder Masken zu erkennen glauben und die sich im nächsten Augenblick der Erkenntnis wieder entziehen.
Jetzt gibt es zur großen Überraschung von allen, die ihn kennen, einen ‚neuen Troschke‘, der in seiner Kunst zwar immer noch nicht von der ursprünglich weißen, unbefleckten Leinwand ausgeht, sondern sich von vorgefundenen Spuren auf der zuvor grundierten Leinwand oder von auf der Druckplatte vorhandenen Spuren zur Entscheidungsfindung und zum Freudenfest der Farben und Formen im Bild anregen lässt, jedoch farblich und strukturell ganz anders als bisher:
Neue wunderbare Kunstwerke in unerwarteten Farben und Formen entstehen seit zwei, drei Jahren in dem für ihn typischen ‚Troschke-Verfahren‘: der neue Troschke!
01.03.–26.04.2026
Ausstellung
Veit Mette
Gewissheiten
Mit dieser Ausstellung präsentiert der Kunstverein neue Arbeiten des Bielefelder Fotografen Veit Mette (Jahrgang 1961). Seine dokumentarischen Bilder sind als Momentaufnahmen die fotografische Biografie einer Stadt: Bielefeld. Sie halten künstlerisch fest, was sonst im Strom der Zeit verloren geht. Den Menschen in dieser Stadt zeigen sie, wer sie waren und wer sie geworden sind. Ob nun mit seinen großformatigen Bildern in der Universität, den Fotografien von Menschen aus Bethel, die auf einem Stadtbahnzug durch Bielefeld unterwegs sind, oder mit den zahlreichen anderen Kunstprojekten Mettes – stets liegt ihrer Präsenz der Wunsch zugrunde, die Kunst in den Alltag der Menschen hineinzuholen.
Mit den gesellschaftlichen Brüchen – seien es Probleme der fortschreitenden Urbanisierung, der ökologischen Krise oder radikale politische Verwerfungen – sind uns allen alte Gewissheiten abhandengekommen. Wie bei einem Seismografen hat Veit Mettes Kunst sich verändert und die Form einer Suchbewegung angenommen. Mithilfe von Mehrfachbelichtungen setzt er Bildwelten in Bewegung, die das Unscharfe und Ungewisse dieser Suche ausdrücken. Die Grenze zwischen Fotografie, grafischer Darstellung oder Malerei wird dabei überschritten und stellt den Versuch dar, die Suche nach neuen Gewissheiten zu einer allgemeinen, zu einer gemeinsamen Sache zu machen.
15.03.2026, 11:30 Uhr
Vortrag
Gisela Burkamp
Kunst-Geschichte in Oerlinghausen
Gisela Burkamp, 1941 in Berlin geboren, 1962 Abitur und Beginn des zweijährigen Volontariats bei der Westfälischen Zeitung in Bielefeld. 1964 Heirat mit Dieter Burkamp, zwei Kinder. Seit 1970 freie Journalistin für Kunstkritik. Ab 1986 Studium der Kunstgeschichte, Publizistik und Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, 1996 Magisterabschluss. 1980 bis 2010 Künstlerische Leiterin des Kunstvereins Oerlinghausen. Freie Kuratorin und Publizistin.
„Haus unseres Gedächtnisses“
Diese Zeilen aus einem Gedicht von Zygmunt Januszewski für die Gemeinschaftsausstellung mit Fred Schierenbeck – Haus im Haus – steht programmatisch für 50 Jahre Kunstverein Oerlinghausen. Kunstverein ist Bürgerinitiative, und genau deshalb entstand ein Kunstverein in Oerlinghausen. An die Anfänge, die Begeisterung und die Schwierigkeiten, die Arbeit, die Rückschläge und die Erfolge sei in einem Rückblick erinnert. Das gilt auch für die Personen, die Gründung und Fortbestand ermöglicht haben. Dass die ehemalige Synagoge, seit 1980 Domizil des Kunstvereins, überhaupt zu einem Haus des Gedächtnisses werden konnte, ist ein Gemeinschaftswerk der Mitglieder, aber auch von politischen Kräften in Oerlinghausen, die sich für die Erhaltung und später die Renovierung eingesetzt haben.
Kunst und Erinnerung – in den Jahresprogrammen des Kunstvereins sind sie seit Beginn vor 50 Jahren entscheidende Vorgaben. Besondere Beispiele sollen die gelungene Balance zwischen beiden Kräften belegen.
22.03.2026, 11:30 Uhr
Vortrag
Karl Banghard
Nazis im Wolfspelz
Kulturkampf ist nicht allein ein politisches Instrument der extremen Rechten. Der Hang zum Kulturkampf hat darüber hinaus tiefe ideologische und psychologische Wurzeln. Das gilt insbesondere für die Vorzeit: Frühgeschichtsthemen sind in der extremen Rechten ein Anzeiger für Radikalisierung. In der Öffentlichkeit werden sie dagegen als harmloser Spleen wahrgenommen. Wenn etwa ein Politstar wie Björn Höcke als „Hermann der Cherusker“ angekündigt ist, wird das nicht als peinlich, sondern als nahezu normal hingenommen. Dieses „nahezu normal“ hat es in sich. Denn die extrem rechte Frühgeschichtserzählung bietet mehr als schlechte Archäologie für einfache Gemüter. Es geht um die serielle Produktion von Sinn, um die Entwicklung einer eigenen Sprache. Ausgehend vom Versprechen, den Menschen in ein ursprüngliches, barbarisches, geborgenes und widerspruchsfreies Sein zurückzuversetzen, werden völkische Kernerzählungen weitergegeben. Frühgeschichte ist in der Szene omnipräsent: In den Medien, in Outfits, in der Musik, in der Religiosität, in den Symbolen, in der Kaderschulung, selbst in der politischen Programmatik spielt es eine zentrale Rolle. Geboten wird eine Erzählung, deren Kernaussagen im Jahr 1945 eingefroren zu sein scheinen. So kommen völkische Saatbomben in Kommunikationsräume, die der extremen Rechten ansonsten verschlossen sind. Saatbomben mit guten Chancen, politische Blüten zu treiben. Denn Geschichte verspricht die Erklärung, wie es zu unserer heutigen Gesellschaft gekommen ist. Extrem rechten Strategen ist das sehr bewusst, wie bei keinem anderen politischen Lager spielt dort Geschichtspolitik eine zentrale Rolle – und das nicht irgendwo, sondern überall, auch in der Nachbarschaft der Alten Synagoge Oerlinghausen.
Der Referent Karl Banghard leitet seit über 20 Jahren das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen. Zuvor verantwortete er den Aufbau einer mittelalterlichen Burg, den Aufbau des Federseemuseums und des neuen Pfahlbaumuseums am Bodensee. Er hat in Bonn und Heidelberg prähistorische und christliche Archäologie sowie Mongolistik studiert.
17.05.–12.07.2026
Ausstellung
Bruno Raetsch
Friends
Bruno Raetsch, 1962 geboren in Neuß und aufgewachsen in Potsdam, ist Professor für Bildhauerei/Figur an der Burg Giebichenstein und Leiter der gleichnamigen Klasse. Er vertritt hier eine Kunstrichtung, bei der man den traditionellen Begriff der Bildhauerei, bei der ein Handwerker „ein Bild aus dem Stein oder Holz ‚haut‘“, getrost über Bord werfen kann. Bruno Raetsch ist künstlerisch vollkommen eigenständig, frei von Konventionen und fähig, Stimmungen, Gefühle, Gedanken und Erinnerungen plastische Gestalt zu verleihen – in dreidimensional wirkenden Zeichnungen von Seelenlandschaften, surrealistisch anmutenden und oftmals auch gesellschaftskritischen Holzskulpturen, durch raumgreifende dreidimensionale Installationen und durch Plastiken aus Ton, Beton und anderen Materialien, aus denen er auch Bronzeplastiken gießt. „In den malerischen und plastischen Arbeiten steckt eine unheimlich geballte rohe Energie – wie bei Eichen im Gegenwind“, schreibt der in London lebende Hans Stofer, über Raetschs Kunst: „Diese Energie breitet sich über die Oberflächen bis zum Objekt- bzw. Bildrand aus, an dem sie sich zu verkrusteten, dunklen und schattenartigen Gestalten verfestigt. Die Malerei wird plastisch, die Plastiken werden malerisch“ – und die Kunst wirkt wie lebend.
31.05.2026, 11:30 Uhr
Vortrag
Prof. Claudia Rohrmoser
Kunst, Digital Media und KI
Prof. Claudia Rohrmoser, 1977 in Salzburg geboren, lehrt Motion Design und Mediale Szenografie am Fachbereich Gestaltung der Hochschule Bielefeld (HSBI). Im Jahr 2019 gründete sie die Studienrichtung Digital Media and Experiment, die sich seither als zukunftsweisendes gestalterisches Aushängeschild der HSBI etabliert hat. Neben ihrer Lehrtätigkeit ist sie als Medienkünstlerin in Theater‑, Konzert- und institutionellen Kontexten elektronischer Kunst tätig. Ihre Arbeiten bewegen sich im Grenz- und Zwischenraum von Film, Musik und Bühne. In kritischer Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Zeitlichkeiten menschlicher Wahrnehmung sowie ökologischen Transformationsprozessen entwickelt sie räumliche Bildinszenierungen, die Bewegtbild als Expanded Cinema, audiovisuelle Konzertperformance oder ortsbezogenes Projection Mapping erfahrbar machen. Ihre Arbeiten wurden international gezeigt, unter anderem bei Mutek Festival Tokio, an der Stanford University, im Hamburger Bahnhof Berlin, bei den Salzburger Osterfestspielen, der Ars Electronica sowie am Theater Bielefeld. Sie studierte MultiMediaArt mit Diplom in Computeranimation an der Fachhochschule Salzburg sowie Medienkunst bei Prof. Maria Vedder und Narrativen Film bei Prof. Jutta Brückner an der UdK Berlin. Derzeit forscht sie im Rahmen eines PhD-Programms für künstlerische Forschung an der Universität Mozarteum Salzburg zur räumlich-körperlichen Wirkung von immersiver Medienkunst.
14.06.2026, 11:30 Uhr
Konzert
MA NAVU
Konzert
18.07.2026, 11:30 Uhr
Event
Sommerfest im Kunstverein
Festakt mit Festvortrag, Band, Essen und Trinken
31.08.–12.10.2026
Ausstellung
Beate Haupt
Begegnung mit Moses
Für ihre Ausstellung in der Alten Synagoge erarbeitete die in Braunschweig lebende und arbeitende Künstlerin Beate Haupt, 1966 in Wolfenbüttel geboren, die Werkreihe Begegnung mit Moses. Sie entwickelte sich aus einem Bild, das sie über Jahre im Kopf hatte und das beim Schwimmen im Mittelmeer entstanden war: Ein junger Mann mit langen Haaren stand im Wasser. Ein leichter Brustansatz verwischte die deutliche Zuordnung zum Geschlecht. Ein moderner Mann und doch wie aus einem alten Gemälde, gleißend eingehüllt von einem fahlen Hellviolett des Wassers. Diesen Mann will sie zeigen, einen Moses der heutigen Zeit, stark und schwach zugleich, mit dem Wasser kämpfend, sich verängstigt umschauend, stolz in die Fluten schreitend, das Wasser wegpustend, schwimmend, treibend. Beate Haupt gibt der biblischen Erzählung vom Zerteilen des Wassers und des Hindurchschreitens bewusst keinen Raum. Sie möchte eine alltägliche Geschichte zeigen – so, wie sie heute stattfindet, auf der ganzen Welt.
27.09.2026, 11:30 Uhr
Vortrag
Christina Végh
Kunstvereine und zeitgenössische Kunst
04.10.2026, 11:30 Uhr
Konzert
Jenny Meyer
Konzert mit Harfe
Herbst 2026
Buchpräsentation
Jürgen Hartmann, Isolde Müller-Borchert und Prof. Dr. Andreas Beaugrand
Neue Geschichte der Juden in Oerlinghausen
Die verschiedenen Synagogen von Oerlinghausen stehen im Mittelpunkt dieser Veröffentlichung. Anhand ihrer Entstehung, ihrer baulichen Veränderungen und ihrer Nutzung erzählt es die Geschichte eines Ortes, an dem jüdisches Leben über rund 250 Jahre hinweg sichtbar war – im Alltag wie im Ortsbild. Grundlage sind neu erschlossene Archivquellen, darunter bislang kaum ausgewertete Gemeinderechnungen und Verwaltungsakten. Sie erlauben es, die Geschichte der Oerlinghauser Synagogen seit dem 18. Jahrhundert erstmals weitgehend geschlossen nachzuzeichnen.
Im Zentrum stehen die unterschiedlichen Synagogen: frühe Betstuben in privaten oder angemieteten Räumen ab der Mitte des 18. Jahrhunderts, dann zwei schlichte Bauten und schließlich der repräsentative Neubau des späten 19. Jahrhunderts an der Tönsbergstraße. Diese Synagogen erzählen zugleich von der Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft vor Ort. Deutlich werden innerjüdische Konflikte, religiöse Orientierungen und soziale Veränderungen.
Darüber hinaus nimmt die Veröffentlichung die Umgebung in den Blick, in der diese Synagogen entstanden und bestanden. Fragen von Integration und Ausgrenzung, der wachsende Antisemitismus und staatliche Vorgaben wirkten sich direkt auf ihre Geschichte aus. Am Ende steht die besondere Frage, warum die Synagoge – anders als viele andere – den Nationalsozialismus baulich weitgehend überstanden hat und sie bis heute als Zeugnis der jüdischen Geschichte Oerlinghausens erhalten ist.
08.11.–20.12.2026
Ausstellung
Daniel Wagenblast
Mensch und Raum
Daniel Wagenblast, 1963 in Schwäbisch Gmünd geboren, ist ein Meister im Umgang mit Holz. Sein Thema ist seit seinem Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart der Mensch in seiner Beziehung zur Welt – seien es Pistolen, Tiere, die Weltkugel, ein Auto oder eine Kirche, ein Panzer, ein Haus, ein Mann oder eine Frau. All diese Akteure in Wagenblasts Skulpturen erzählen Geschichten von Größenverschiebungen und wundersamen Beziehungen zwischen der Welt und den Menschen und ihren Dingen: der Mensch als ein Suchender, ein Ausschauhaltender, ein Träumer am Abgrund oder einer, der als Held die Welt erobert. Eine komplexe Welt, ein ganzer Kosmos wird mit einfachen Mitteln geschaffen. Seine Figuren sind eher prototypisch und, nicht ungewöhnlich, an der Figur des Künstlers orientiert. Die bewusst belassene Rauheit der Oberfläche nimmt viel von einem etwa illusionistischen Eindruck weg – es ist eben die Wirklichkeit des Künstlers, die uns in den Arbeiten begegnet, die im Abstand zu der von uns wahrgenommenen Wirklichkeit sogleich zur Wahrheit wird.
22.11.2026, 11:30 Uhr
Performance
Anna Bella Eschengerd
Eingelebt
11.01.–22.02.2026
Ausstellung
Wolfgang Troschke
Malerische Innovationen
Die Kunst des (früheren) Hochschullehrers, Grafikers und Malers Wolfgang ‚Iki‘ Troschke, 1947 in Hilmarshausen geboren, war bisher immer eine außergewöhnliche Mischung von mythologischer Ikonografie und malerisch-zeichnerischer Improvisation – beeinflusst von den Meistern des deutschen Informel, die er zu einem großen Teil persönlich kannte und die er zu neuer Blüte führte: in Geschichten um Zeichen, die die Betrachtenden immer wieder neu in Kreuzen, Schiffen, Schilden, Toren, Gittern oder Masken zu erkennen glauben und die sich im nächsten Augenblick der Erkenntnis wieder entziehen.
Jetzt gibt es zur großen Überraschung von allen, die ihn kennen, einen ‚neuen Troschke‘, der in seiner Kunst zwar immer noch nicht von der ursprünglich weißen, unbefleckten Leinwand ausgeht, sondern sich von vorgefundenen Spuren auf der zuvor grundierten Leinwand oder von auf der Druckplatte vorhandenen Spuren zur Entscheidungsfindung und zum Freudenfest der Farben und Formen im Bild anregen lässt, jedoch farblich und strukturell ganz anders als bisher:
Neue wunderbare Kunstwerke in unerwarteten Farben und Formen entstehen seit zwei, drei Jahren in dem für ihn typischen ‚Troschke-Verfahren‘: der neue Troschke!
01.03.–26.04.2026
Ausstellung
Veit Mette
Gewissheiten
Mit dieser Ausstellung präsentiert der Kunstverein neue Arbeiten des Bielefelder Fotografen Veit Mette (Jahrgang 1961). Seine dokumentarischen Bilder sind als Momentaufnahmen die fotografische Biografie einer Stadt: Bielefeld. Sie halten künstlerisch fest, was sonst im Strom der Zeit verloren geht. Den Menschen in dieser Stadt zeigen sie, wer sie waren und wer sie geworden sind. Ob nun mit seinen großformatigen Bildern in der Universität, den Fotografien von Menschen aus Bethel, die auf einem Stadtbahnzug durch Bielefeld unterwegs sind, oder mit den zahlreichen anderen Kunstprojekten Mettes – stets liegt ihrer Präsenz der Wunsch zugrunde, die Kunst in den Alltag der Menschen hineinzuholen.
Mit den gesellschaftlichen Brüchen – seien es Probleme der fortschreitenden Urbanisierung, der ökologischen Krise oder radikale politische Verwerfungen – sind uns allen alte Gewissheiten abhandengekommen. Wie bei einem Seismografen hat Veit Mettes Kunst sich verändert und die Form einer Suchbewegung angenommen. Mithilfe von Mehrfachbelichtungen setzt er Bildwelten in Bewegung, die das Unscharfe und Ungewisse dieser Suche ausdrücken. Die Grenze zwischen Fotografie, grafischer Darstellung oder Malerei wird dabei überschritten und stellt den Versuch dar, die Suche nach neuen Gewissheiten zu einer allgemeinen, zu einer gemeinsamen Sache zu machen.
15.03.2026, 11:30 Uhr
Vortrag
Gisela Burkamp
Kunst-Geschichte in Oerlinghausen
Gisela Burkamp, 1941 in Berlin geboren, 1962 Abitur und Beginn des zweijährigen Volontariats bei der Westfälischen Zeitung in Bielefeld. 1964 Heirat mit Dieter Burkamp, zwei Kinder. Seit 1970 freie Journalistin für Kunstkritik. Ab 1986 Studium der Kunstgeschichte, Publizistik und Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, 1996 Magisterabschluss. 1980 bis 2010 Künstlerische Leiterin des Kunstvereins Oerlinghausen. Freie Kuratorin und Publizistin.
„Haus unseres Gedächtnisses“
Diese Zeilen aus einem Gedicht von Zygmunt Januszewski für die Gemeinschaftsausstellung mit Fred Schierenbeck – Haus im Haus – steht programmatisch für 50 Jahre Kunstverein Oerlinghausen. Kunstverein ist Bürgerinitiative, und genau deshalb entstand ein Kunstverein in Oerlinghausen. An die Anfänge, die Begeisterung und die Schwierigkeiten, die Arbeit, die Rückschläge und die Erfolge sei in einem Rückblick erinnert. Das gilt auch für die Personen, die Gründung und Fortbestand ermöglicht haben. Dass die ehemalige Synagoge, seit 1980 Domizil des Kunstvereins, überhaupt zu einem Haus des Gedächtnisses werden konnte, ist ein Gemeinschaftswerk der Mitglieder, aber auch von politischen Kräften in Oerlinghausen, die sich für die Erhaltung und später die Renovierung eingesetzt haben.
Kunst und Erinnerung – in den Jahresprogrammen des Kunstvereins sind sie seit Beginn vor 50 Jahren entscheidende Vorgaben. Besondere Beispiele sollen die gelungene Balance zwischen beiden Kräften belegen.
22.03.2026, 11:30 Uhr
Vortrag
Karl Banghard
Nazis im Wolfspelz
Kulturkampf ist nicht allein ein politisches Instrument der extremen Rechten. Der Hang zum Kulturkampf hat darüber hinaus tiefe ideologische und psychologische Wurzeln. Das gilt insbesondere für die Vorzeit: Frühgeschichtsthemen sind in der extremen Rechten ein Anzeiger für Radikalisierung. In der Öffentlichkeit werden sie dagegen als harmloser Spleen wahrgenommen. Wenn etwa ein Politstar wie Björn Höcke als „Hermann der Cherusker“ angekündigt ist, wird das nicht als peinlich, sondern als nahezu normal hingenommen. Dieses „nahezu normal“ hat es in sich. Denn die extrem rechte Frühgeschichtserzählung bietet mehr als schlechte Archäologie für einfache Gemüter. Es geht um die serielle Produktion von Sinn, um die Entwicklung einer eigenen Sprache. Ausgehend vom Versprechen, den Menschen in ein ursprüngliches, barbarisches, geborgenes und widerspruchsfreies Sein zurückzuversetzen, werden völkische Kernerzählungen weitergegeben. Frühgeschichte ist in der Szene omnipräsent: In den Medien, in Outfits, in der Musik, in der Religiosität, in den Symbolen, in der Kaderschulung, selbst in der politischen Programmatik spielt es eine zentrale Rolle. Geboten wird eine Erzählung, deren Kernaussagen im Jahr 1945 eingefroren zu sein scheinen. So kommen völkische Saatbomben in Kommunikationsräume, die der extremen Rechten ansonsten verschlossen sind. Saatbomben mit guten Chancen, politische Blüten zu treiben. Denn Geschichte verspricht die Erklärung, wie es zu unserer heutigen Gesellschaft gekommen ist. Extrem rechten Strategen ist das sehr bewusst, wie bei keinem anderen politischen Lager spielt dort Geschichtspolitik eine zentrale Rolle – und das nicht irgendwo, sondern überall, auch in der Nachbarschaft der Alten Synagoge Oerlinghausen.
Der Referent Karl Banghard leitet seit über 20 Jahren das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen. Zuvor verantwortete er den Aufbau einer mittelalterlichen Burg, den Aufbau des Federseemuseums und des neuen Pfahlbaumuseums am Bodensee. Er hat in Bonn und Heidelberg prähistorische und christliche Archäologie sowie Mongolistik studiert.
17.05.–12.07.2026
Ausstellung
Bruno Raetsch
Friends
Bruno Raetsch, 1962 geboren in Neuß und aufgewachsen in Potsdam, ist Professor für Bildhauerei/Figur an der Burg Giebichenstein und Leiter der gleichnamigen Klasse. Er vertritt hier eine Kunstrichtung, bei der man den traditionellen Begriff der Bildhauerei, bei der ein Handwerker „ein Bild aus dem Stein oder Holz ‚haut‘“, getrost über Bord werfen kann. Bruno Raetsch ist künstlerisch vollkommen eigenständig, frei von Konventionen und fähig, Stimmungen, Gefühle, Gedanken und Erinnerungen plastische Gestalt zu verleihen – in dreidimensional wirkenden Zeichnungen von Seelenlandschaften, surrealistisch anmutenden und oftmals auch gesellschaftskritischen Holzskulpturen, durch raumgreifende dreidimensionale Installationen und durch Plastiken aus Ton, Beton und anderen Materialien, aus denen er auch Bronzeplastiken gießt. „In den malerischen und plastischen Arbeiten steckt eine unheimlich geballte rohe Energie – wie bei Eichen im Gegenwind“, schreibt der in London lebende Hans Stofer, über Raetschs Kunst: „Diese Energie breitet sich über die Oberflächen bis zum Objekt- bzw. Bildrand aus, an dem sie sich zu verkrusteten, dunklen und schattenartigen Gestalten verfestigt. Die Malerei wird plastisch, die Plastiken werden malerisch“ – und die Kunst wirkt wie lebend.
31.05.2026, 11:30 Uhr
Vortrag
Prof. Claudia Rohrmoser
Kunst, Digital Media und KI
Prof. Claudia Rohrmoser, 1977 in Salzburg geboren, lehrt Motion Design und Mediale Szenografie am Fachbereich Gestaltung der Hochschule Bielefeld (HSBI). Im Jahr 2019 gründete sie die Studienrichtung Digital Media and Experiment, die sich seither als zukunftsweisendes gestalterisches Aushängeschild der HSBI etabliert hat. Neben ihrer Lehrtätigkeit ist sie als Medienkünstlerin in Theater‑, Konzert- und institutionellen Kontexten elektronischer Kunst tätig. Ihre Arbeiten bewegen sich im Grenz- und Zwischenraum von Film, Musik und Bühne. In kritischer Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Zeitlichkeiten menschlicher Wahrnehmung sowie ökologischen Transformationsprozessen entwickelt sie räumliche Bildinszenierungen, die Bewegtbild als Expanded Cinema, audiovisuelle Konzertperformance oder ortsbezogenes Projection Mapping erfahrbar machen. Ihre Arbeiten wurden international gezeigt, unter anderem bei Mutek Festival Tokio, an der Stanford University, im Hamburger Bahnhof Berlin, bei den Salzburger Osterfestspielen, der Ars Electronica sowie am Theater Bielefeld. Sie studierte MultiMediaArt mit Diplom in Computeranimation an der Fachhochschule Salzburg sowie Medienkunst bei Prof. Maria Vedder und Narrativen Film bei Prof. Jutta Brückner an der UdK Berlin. Derzeit forscht sie im Rahmen eines PhD-Programms für künstlerische Forschung an der Universität Mozarteum Salzburg zur räumlich-körperlichen Wirkung von immersiver Medienkunst.
14.06.2026, 11:30 Uhr
Konzert
MA NAVU
Konzert
18.07.2026, 11:30 Uhr
Event
Sommerfest im Kunstverein
Festakt mit Festvortrag, Band, Essen und Trinken
31.08.–12.10.2026
Ausstellung
Beate Haupt
Begegnung mit Moses
Für ihre Ausstellung in der Alten Synagoge erarbeitete die in Braunschweig lebende und arbeitende Künstlerin Beate Haupt, 1966 in Wolfenbüttel geboren, die Werkreihe Begegnung mit Moses. Sie entwickelte sich aus einem Bild, das sie über Jahre im Kopf hatte und das beim Schwimmen im Mittelmeer entstanden war: Ein junger Mann mit langen Haaren stand im Wasser. Ein leichter Brustansatz verwischte die deutliche Zuordnung zum Geschlecht. Ein moderner Mann und doch wie aus einem alten Gemälde, gleißend eingehüllt von einem fahlen Hellviolett des Wassers. Diesen Mann will sie zeigen, einen Moses der heutigen Zeit, stark und schwach zugleich, mit dem Wasser kämpfend, sich verängstigt umschauend, stolz in die Fluten schreitend, das Wasser wegpustend, schwimmend, treibend. Beate Haupt gibt der biblischen Erzählung vom Zerteilen des Wassers und des Hindurchschreitens bewusst keinen Raum. Sie möchte eine alltägliche Geschichte zeigen – so, wie sie heute stattfindet, auf der ganzen Welt.
27.09.2026, 11:30 Uhr
Vortrag
Christina Végh
Kunstvereine und zeitgenössische Kunst
04.10.2026, 11:30 Uhr
Konzert
Jenny Meyer
Konzert mit Harfe
Herbst 2026
Buchpräsentation
Jürgen Hartmann, Isolde Müller-Borchert und Prof. Dr. Andreas Beaugrand
Neue Geschichte der Juden in Oerlinghausen
Die verschiedenen Synagogen von Oerlinghausen stehen im Mittelpunkt dieser Veröffentlichung. Anhand ihrer Entstehung, ihrer baulichen Veränderungen und ihrer Nutzung erzählt es die Geschichte eines Ortes, an dem jüdisches Leben über rund 250 Jahre hinweg sichtbar war – im Alltag wie im Ortsbild. Grundlage sind neu erschlossene Archivquellen, darunter bislang kaum ausgewertete Gemeinderechnungen und Verwaltungsakten. Sie erlauben es, die Geschichte der Oerlinghauser Synagogen seit dem 18. Jahrhundert erstmals weitgehend geschlossen nachzuzeichnen.
Im Zentrum stehen die unterschiedlichen Synagogen: frühe Betstuben in privaten oder angemieteten Räumen ab der Mitte des 18. Jahrhunderts, dann zwei schlichte Bauten und schließlich der repräsentative Neubau des späten 19. Jahrhunderts an der Tönsbergstraße. Diese Synagogen erzählen zugleich von der Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft vor Ort. Deutlich werden innerjüdische Konflikte, religiöse Orientierungen und soziale Veränderungen.
Darüber hinaus nimmt die Veröffentlichung die Umgebung in den Blick, in der diese Synagogen entstanden und bestanden. Fragen von Integration und Ausgrenzung, der wachsende Antisemitismus und staatliche Vorgaben wirkten sich direkt auf ihre Geschichte aus. Am Ende steht die besondere Frage, warum die Synagoge – anders als viele andere – den Nationalsozialismus baulich weitgehend überstanden hat und sie bis heute als Zeugnis der jüdischen Geschichte Oerlinghausens erhalten ist.
08.11.–20.12.2026
Ausstellung
Daniel Wagenblast
Mensch und Raum
Daniel Wagenblast, 1963 in Schwäbisch Gmünd geboren, ist ein Meister im Umgang mit Holz. Sein Thema ist seit seinem Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart der Mensch in seiner Beziehung zur Welt – seien es Pistolen, Tiere, die Weltkugel, ein Auto oder eine Kirche, ein Panzer, ein Haus, ein Mann oder eine Frau. All diese Akteure in Wagenblasts Skulpturen erzählen Geschichten von Größenverschiebungen und wundersamen Beziehungen zwischen der Welt und den Menschen und ihren Dingen: der Mensch als ein Suchender, ein Ausschauhaltender, ein Träumer am Abgrund oder einer, der als Held die Welt erobert. Eine komplexe Welt, ein ganzer Kosmos wird mit einfachen Mitteln geschaffen. Seine Figuren sind eher prototypisch und, nicht ungewöhnlich, an der Figur des Künstlers orientiert. Die bewusst belassene Rauheit der Oberfläche nimmt viel von einem etwa illusionistischen Eindruck weg – es ist eben die Wirklichkeit des Künstlers, die uns in den Arbeiten begegnet, die im Abstand zu der von uns wahrgenommenen Wirklichkeit sogleich zur Wahrheit wird.