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Kunstgespräch über Fred Schierenbeck

Im Gespräch mit

Prof. Dr. Andreas Beaugrand und Alexander Gruber

Datum
Künstler*in
Kamera und Schnitt

Biografisches
Fred Schierenbeck ist in Oerlinghausen, im Kreis Lippe, in Ostwestfalen, in NRW und weit dar­über hin­aus bekannt – als enga­gier­ter Kunstlehrer, qua­li­täts­vol­ler Künstler und lie­bens­wür­di­ger Menschenfreund.
Er wur­de 1952 in Bremen gebo­ren und stu­dier­te nach sei­ner Schulzeit in Wolfsburg von 1972 bis 1979 Malerei, Grafik und Werken an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. 1978 war er Meisterschüler bei Prof. Werner Volkert, der zur Berliner Künstlergruppe Großgörschen 35 gehör­te, von denen eini­ge wie­der­um bei Prof. Fred Thieler stu­diert hat­ten – einer der gro­ßen Künstler der infor­mel­len Malerei seit den 1950er-Jahren.
Nach sei­ner Studienzeit und dem Referendariat an Berliner Gymnasien war Fred Schierenbeck von 1981 bis 2014 Kunsterzieher am Städtischen Gymnasium Oerlinghausen, dem heu­ti­gen Niklas-Luhmann-Gymnasium.
Von 1981 bis 1990 hat sich Fred Schierenbeck als Künstler eta­bliert – durch lang­jäh­ri­ge künst­le­ri­sche Arbeit ohne Ausstellungen oder Ausstellungsbeteiligungen. Zum ers­ten Mal waren Arbeiten von ihm dann 1990 zu sehen: Nach einem Atelierstipendium im BBK-Atelier in der Ravensberger Spinnerei in Bielefeld und der Einrichtung von Ateliers in Bielefeld und Oerlinghausen 1991 waren Fred Schierenbecks Werke in zahl­rei­chen Ausstellungen zu erle­ben. 1995 war er ers­ter Preisträger des Kunstpreises des Kreises Lippe. Neben sei­ner Schul- und Kunsttätigkeit hat­te Fred Schierenbeck von 1993 bis 2003 einen Lehrauftrag an Fakultät für Theologie, Geographie, Kunst und Musik der Universität Bielefeld und 2001/2002 eine Gastprofessur an der Universität der Künste Berlin.

Kunst und Leben
1997 hat­te sich Fred Schierenbeck ein Atelier für Malerei und Rauminstallationen im Oerlinghausener CEWECO-Haus ein­ge­rich­tet, des­sen Sanierung 2016 den Umzug des Ateliers in die Räume der „KunstWerkstatt“ im ehe­ma­li­gen Pinguin-Gebäude an der Rudolf-Diesel-Straße erfor­der­te. In der Ateliergemeinschaft sind auch Regina Knappert, Holger Köhler, Ilona Neumann, Vilma Pduschek, Adelheid Speer und Elke Wolf künst­le­risch tätig.
Fred Schierenbeck steht als Maler in der Tradition der expres­si­ven infor­mel­len Malerei und hat über vie­le, vie­le Jahre mit gro­ßem kör­per­li­chem Einsatz an sei­nen oft groß­for­ma­ti­gen Bildern und Bildobjekten gear­bei­tet – mit schwe­ren Farbmassen, anfangs mit Graphit, dunk­lem Schwarz und Grau, spä­ter in tie­fen Rot- und Blautönen, mit der Hand, dem Pinsel und der Kettensäge – 2015 jedoch inten­si­vier­te sich eine bereits vor­han­de­ne neu­ro­lo­gi­sche Erkrankung so sehr, dass er die künst­le­ri­sche Arbeit vor­über­ge­hend ein­stel­len muss­te. Mit eiser­nem Willen, gro­ßer Disziplin und mit Unterstützung sei­ner Frau Sylvie, sei­ner Familie und Freunden hat Fred Schierenbeck ab 2018 neu und anders wie­der das Malen begon­nen.

„Nur ein Bild“
Das nun in der Alten Synagoge auf einer Staffelei soli­tär aus­ge­stell­te neue Bild Fred Schierenbecks zeigt auf schwar­zem Grund die in Versalien geschrie­be­nen Wörter ANGST (Weiß), HOFFNUNG (Gelb), WUT (Rot) und TOT (Schwarz) und man asso­zi­iert auf den ers­ten Blick die Farben der Nationalflagge der Bundesrepublik Deutschland, ein eigent­lich moder­nes, aber offen­bar nur ver­meint­lich auf­ge­klär­tes Land, in dem ewig Gestrige Angst und Wut schü­ren, die man­che „Wutbürger“ mit nivel­lier­tem Intellekt zu erstaun­li­chen Demonstrationen ver­lei­ten.
Auf den zwei­ten Blick aber ist die­ses Bild eines der per­sön­lichs­ten Werke, die ein Künstler schaf­fen kann: Es visua­li­siert das Hadern und Zweifeln, das Hoffen und Bangen Fred Schierenbecks unter den Folgen sei­ner Erkrankung und der aktu­el­len Pandemie zwi­schen Leben und Tod.