Jürgen Hartmann und Prof. Dr. Andreas Beaugrand
Die Synagogen in Oerlinghausen. Jüdische Geschichte, Erinnerung und zeitgenössische Kunst
Das ‚große Buch‘ zur Geschichte der Synagogen in Oerlinghausen steht kurz vor der Fertigstellung:
Andreas Beaugrand, Jürgen Hartmann (Hg.): Die Synagogen in Oerlinghausen. Jüdische Geschichte, Erinnerung und zeitgenössische Kunst, Bielefeld (KunstSinn Verlag) 2027
In der Matinee im Kunstverein stellen die Autoren und Herausgeber das von den Grafikerinnen Pauline Seidlich (Düsseldorf) und Frederike Schulte (Leipzig) aufwendig gestaltete neue Buch vor – und damit gut eine Woche nach dem Jahrestag der Novemberpogrome vom 9. auf den 10. November 1938 mit ihren von den Nationalsozialisten gesteuerten und organisierten Gewaltakten gegen die jüdische Bevölkerung im Deutschen Reich.
Die verschiedenen Synagogen von Oerlinghausen stehen im Mittelpunkt dieser Veröffentlichung. Anhand ihrer Entstehung, ihrer baulichen Veränderungen und ihrer Nutzung erzählt es die Geschichte eines Ortes, an dem jüdisches Leben über rund 250 Jahre hinweg sichtbar war – im Alltag wie im Ortsbild. Grundlage sind neu erschlossene Archivquellen, darunter bislang kaum ausgewertete Gemeinderechnungen und Verwaltungsakten. Sie erlauben es, die Geschichte der Oerlinghauser Synagogen seit dem 18. Jahrhundert erstmals weitgehend geschlossen nachzuzeichnen.
Im Zentrum stehen die unterschiedlichen Synagogen: frühe Betstuben in privaten oder angemieteten Räumen ab der Mitte des 18. Jahrhunderts, dann zwei schlichte Bauten und schließlich der repräsentative Neubau des späten 19. Jahrhunderts an der Tönsbergstraße. Diese Synagogen erzählen zugleich von der Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft vor Ort. Deutlich werden innerjüdische Konflikte, religiöse Orientierungen und soziale Veränderungen.
Darüber hinaus nimmt die Veröffentlichung die Umgebung in den Blick, in der diese Synagogen entstanden und bestanden. Fragen von Integration und Ausgrenzung, der wachsende Antisemitismus und staatliche Vorgaben wirkten sich direkt auf ihre Geschichte aus. Am Ende steht die besondere Frage, warum die Synagoge – anders als viele andere – den Nationalsozialismus baulich weitgehend überstanden hat und sie bis heute als Zeugnis der jüdischen Geschichte Oerlinghausens erhalten ist.
Angesichts zunehmender Wahlerfolge rechtsradikaler Parteipolitiker wie beispielsweise in Sachsen-Anhalt gilt es, diesen reaktionären Ideologien Einhalt zu gebieten und sich für Toleranz, Freiheit und Demokratie einzusetzen.