Jürgen Hartmann, Isolde Müller-Borchert und Prof. Dr. Andreas Beaugrand
Neue Geschichte der Juden in Oerlinghausen
Die verschiedenen Synagogen von Oerlinghausen stehen im Mittelpunkt dieser Veröffentlichung. Anhand ihrer Entstehung, ihrer baulichen Veränderungen und ihrer Nutzung erzählt es die Geschichte eines Ortes, an dem jüdisches Leben über rund 250 Jahre hinweg sichtbar war – im Alltag wie im Ortsbild. Grundlage sind neu erschlossene Archivquellen, darunter bislang kaum ausgewertete Gemeinderechnungen und Verwaltungsakten. Sie erlauben es, die Geschichte der Oerlinghauser Synagogen seit dem 18. Jahrhundert erstmals weitgehend geschlossen nachzuzeichnen.
Im Zentrum stehen die unterschiedlichen Synagogen: frühe Betstuben in privaten oder angemieteten Räumen ab der Mitte des 18. Jahrhunderts, dann zwei schlichte Bauten und schließlich der repräsentative Neubau des späten 19. Jahrhunderts an der Tönsbergstraße. Diese Synagogen erzählen zugleich von der Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft vor Ort. Deutlich werden innerjüdische Konflikte, religiöse Orientierungen und soziale Veränderungen.
Darüber hinaus nimmt die Veröffentlichung die Umgebung in den Blick, in der diese Synagogen entstanden und bestanden. Fragen von Integration und Ausgrenzung, der wachsende Antisemitismus und staatliche Vorgaben wirkten sich direkt auf ihre Geschichte aus. Am Ende steht die besondere Frage, warum die Synagoge – anders als viele andere – den Nationalsozialismus baulich weitgehend überstanden hat und sie bis heute als Zeugnis der jüdischen Geschichte Oerlinghausens erhalten ist.