Roland Nachtigäller
Kulturlosigkeit bedeutet gesellschaftlichen Untergang und geistige Verarmung
Der Kunstwissenschaftler und Ausstellungsmacher Roland Nachtigäller, 1960 in Dortmund geboren, war von Anfang 2009 bis Ende 2021 künstlerischer Direktor des Museums Marta Herford, seit Januar 2022 ist er Geschäftsführer der Stiftung Insel Hombroich in Neuss.
Roland Nachtigäller studierte an der Kunsthochschule Kassel (damals Gesamthochschule Kassel) Kunst, visuelle Kommunikation, Germanistik und Medienpädagogik. Nach einer wissenschaftlichen Assistenz an der neu gegründeten Kunsthalle Fridericianum in Kassel wurde er 1991 in das Leitungsteam der documenta IX berufen. Anschließend war er als freier Ausstellungsmacher und Autor an zahlreichen Projekten im In- und Ausland beteiligt.
Von 2003 bis 2008 war er Leiter der Städtischen Galerie Nordhorn, der er mit einem international orientierten Ausstellungsprogramm zur zeitgenössischen Kunst überregionale Beachtung verschaffte. Er entwickelte verschiedene Projekte zur Kunst im öffentlichen Raum. So konzipierte er zwischen 1998 und 2000 zusammen mit Martin Köttering das Skulpturenprojekt kunstwegen im deutsch-niederländischen Grenzraum. 2008 begründete er dessen Fortsetzung unter dem Titel „raumsichten“. Nachtigäller wurde 2010 von der Kunstkommission für Kunst im öffentlichen Raum der Landeshauptstadt Dresden als Berater eingeladen. Er war 2011 Mitglied des Preisgerichts für das nationale Freiheits- und Einheitsdenkmal in Leipzig.
Nachtigäller war Nachfolger von Jan Hoet, dem Gründungsdirektor von Marta Herford. Hier verantwortete er zahlreiche Themenausstellungen zur zeitgenössischen Kunst, zu Design und Architektur. 2014 wurde MARTa Herford vom internationalen Kritikerverband AICA zum Museum des Jahres gekürt.
Zum Amtsantritt in Herford hatte Nachtigäller angekündigt, er wolle zeigen, dass „die Peripherie mindestens genauso spannend ist wie die großen Metropolen.“ Innovationen entstünden „allein aus einem künstlerisch geprägten Gesellschaftszusammenhang“, alles andere sei „Technokratie, Kommerz und geistiges Sterben“; Kulturlosigkeit bedeute gesellschaftlichen „Untergang“ und „geistige Verarmung“, so Nachtigäller – Thesen, die er zusammen mit dem Künstlerischen Leiter des Kunstvereins Oerlinghausen, Prof. Dr. Andreas Beaugrand, diskutiert.