• Wolfgang Troschke: Malerische Innovationen

    Die Kunst des (früheren) Hochschullehrers, Grafikers und Malers Wolfgang ‚Iki‘ Troschke, 1947 in Hilmarshausen geboren, war bisher immer eine außergewöhnliche Mischung von mythologischer Ikonografie und malerisch-zeichnerischer Improvisation – beeinflusst von den Meistern des deutschen Informel, die er zu einem großen Teil persönlich kannte und die er zu neuer Blüte führte: in Geschichten um Zeichen, die die Betrachtenden immer wieder neu in Kreuzen, Schiffen, Schilden, Toren, Gittern oder Masken zu erkennen glauben und die sich im nächsten Augenblick der Erkenntnis wieder entziehen.
    Jetzt gibt es zur großen Überraschung von allen, die ihn kennen, einen ‚neuen Troschke‘, der in seiner Kunst zwar immer noch nicht von der ursprünglich weißen, unbefleckten Leinwand ausgeht, sondern sich von vorgefundenen Spuren auf der zuvor grundierten Leinwand oder von auf der Druckplatte vorhandenen Spuren zur Entscheidungsfindung und zum Freudenfest der Farben und Formen im Bild anregen lässt, jedoch farblich und strukturell ganz anders als bisher:
    Neue wunderbare Kunstwerke in unerwarteten Farben und Formen entstehen seit zwei, drei Jahren in dem für ihn typischen ‚Troschke-Verfahren‘: der neue Troschke!

  • Veit Mette: Gewissheiten

    Mit dieser Ausstellung präsentiert der Kunstverein neue Arbeiten des Bielefelder Fotografen Veit Mette (Jahrgang 1961). Seine dokumentarischen Bilder sind als Momentaufnahmen die fotografische Biografie einer Stadt: Bielefeld. Sie halten künstlerisch fest, was sonst im Strom der Zeit verloren geht. Den Menschen in dieser Stadt zeigen sie, wer sie waren und wer sie geworden sind. Ob nun mit seinen großformatigen Bildern in der Universität, den Fotografien von Menschen aus Bethel, die auf einem Stadtbahnzug durch Bielefeld unterwegs sind, oder mit den zahlreichen anderen Kunstprojekten Mettes – stets liegt ihrer Präsenz der Wunsch zugrunde, die Kunst in den Alltag der Menschen hineinzuholen.
    Mit den gesellschaftlichen Brüchen – seien es Probleme der fortschreitenden Urbanisierung, der ökologischen Krise oder radikale politische Verwerfungen – sind uns allen alte Gewissheiten abhandengekommen. Wie bei einem Seismografen hat Veit Mettes Kunst sich verändert und die Form einer Suchbewegung angenommen. Mithilfe von Mehrfachbelichtungen setzt er Bildwelten in Bewegung, die das Unscharfe und Ungewisse dieser Suche ausdrücken. Die Grenze zwischen Fotografie, grafischer Darstellung oder Malerei wird dabei überschritten und stellt den Versuch dar, die Suche nach neuen Gewissheiten zu einer allgemeinen, zu einer gemeinsamen Sache zu machen.

  • Bruno Raetsch: Friends

    Bruno Raetsch, 1962 geboren in Neuß und aufgewachsen in Potsdam, ist Professor für Bildhauerei/Figur an der Burg Giebichenstein und Leiter der gleichnamigen Klasse. Er vertritt hier eine Kunstrichtung, bei der man den traditionellen Begriff der Bildhauerei, bei der ein Handwerker „ein Bild aus dem Stein oder Holz ‚haut‘“, getrost über Bord werfen kann. Bruno Raetsch ist künstlerisch vollkommen eigenständig, frei von Konventionen und fähig, Stimmungen, Gefühle, Gedanken und Erinnerungen plastische Gestalt zu verleihen – in dreidimensional wirkenden Zeichnungen von Seelenlandschaften, surrealistisch anmutenden und oftmals auch gesellschaftskritischen Holzskulpturen, durch raumgreifende dreidimensionale Installationen und durch Plastiken aus Ton, Beton und anderen Materialien, aus denen er auch Bronzeplastiken gießt. „In den malerischen und plastischen Arbeiten steckt eine unheimlich geballte rohe Energie – wie bei Eichen im Gegenwind“, schreibt der in London lebende Hans Stofer, über Raetschs Kunst: „Diese Energie breitet sich über die Oberflächen bis zum Objekt- bzw. Bildrand aus, an dem sie sich zu verkrusteten, dunklen und schattenartigen Gestalten verfestigt. Die Malerei wird plastisch, die Plastiken werden malerisch“ – und die Kunst wirkt wie lebend.

  • Beate Haupt: Begegnung mit Moses

    Für ihre Ausstellung in der Alten Synagoge erarbeitete die in Braunschweig lebende und arbeitende Künstlerin Beate Haupt, 1966 in Wolfenbüttel geboren, die Werkreihe Begegnung mit Moses. Sie entwickelte sich aus einem Bild, das sie über Jahre im Kopf hatte und das beim Schwimmen im Mittelmeer entstanden war: Ein junger Mann mit langen Haaren stand im Wasser. Ein leichter Brustansatz verwischte die deutliche Zuordnung zum Geschlecht. Ein moderner Mann und doch wie aus einem alten Gemälde, gleißend eingehüllt von einem fahlen Hellviolett des Wassers. Diesen Mann will sie zeigen, einen Moses der heutigen Zeit, stark und schwach zugleich, mit dem Wasser kämpfend, sich verängstigt umschauend, stolz in die Fluten schreitend, das Wasser wegpustend, schwimmend, treibend. Beate Haupt gibt der biblischen Erzählung vom Zerteilen des Wassers und des Hindurchschreitens bewusst keinen Raum. Sie möchte eine alltägliche Geschichte zeigen – so, wie sie heute stattfindet, auf der ganzen Welt.

  • Daniel Wagenblast: Mensch und Raum

    Daniel Wagenblast, 1963 in Schwäbisch Gmünd geboren, ist ein Meister im Umgang mit Holz. Sein Thema ist seit seinem Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart der Mensch in seiner Beziehung zur Welt – seien es Pistolen, Tiere, die Weltkugel, ein Auto oder eine Kirche, ein Panzer, ein Haus, ein Mann oder eine Frau. All diese Akteure in Wagenblasts Skulpturen erzählen Geschichten von Größenverschiebungen und wundersamen Beziehungen zwischen der Welt und den Menschen und ihren Dingen: der Mensch als ein Suchender, ein Ausschauhaltender, ein Träumer am Abgrund oder einer, der als Held die Welt erobert. Eine komplexe Welt, ein ganzer Kosmos wird mit einfachen Mitteln geschaffen. Seine Figuren sind eher prototypisch und, nicht ungewöhnlich, an der Figur des Künstlers orientiert. Die bewusst belassene Rauheit der Oberfläche nimmt viel von einem etwa illusionistischen Eindruck weg – es ist eben die Wirklichkeit des Künstlers, die uns in den Arbeiten begegnet, die im Abstand zu der von uns wahrgenommenen Wirklichkeit sogleich zur Wahrheit wird.