
Willkommen im
Kunstverein Oerlinghausen
EINE BÜRGERINITIATIVE FÜR DIE KUNST
Fast fünf Jahrzehnte Kunstverein Oerlinghausen – das ist, nimmt man die Gründung der ersten Kunstvereine im 19. Jahrhundert zum Vergleich, kein Aufsehen erregendes Ereignis. Nach außen hin. Nach innen ist die Zeitspanne ausgefüllt mit vielen guten, zum Teil herausragenden Gelegenheiten der Begegnung mit Kunst, mit Künstlerinnen und Künstlern. Diese Bürgerinitiative für die Vermittlung von Kunst hat in der Bergstadt Oerlinghausen und weit darüber hinaus Spuren hinterlassen und ganz entschieden das kulturelle Leben geprägt.
Seit sich 1976 junge Oerlinghauser Bürgerinnen und Bürger zusammenschlossen, haben mehr als 230 Ausstellungen interessierten Mitbürgerinnen und Mitbürgern die Auseinandersetzung mit und die Freude an zeitgenössischer Kunst ermöglicht. Diese konsequente und von allen Mitgliedern ehrenamtlich geleistete Arbeit wird auch von den Künstlerinnen und Künstlern geschätzt und hat dazu beigetragen, den Kunstverein Oerlinghausen über die Grenzen der Region hinaus bekannt zu machen.
Matineen im Kunstverein
01.03.–26.04.2026
Ausstellung
Veit Mette
Gewissheiten
Mit dieser Ausstellung präsentiert der Kunstverein neue Arbeiten des Bielefelder Fotografen Veit Mette (Jahrgang 1961). Seine dokumentarischen Bilder sind als Momentaufnahmen die fotografische Biografie einer Stadt: Bielefeld. Sie halten künstlerisch fest, was sonst im Strom der Zeit verloren geht. Den Menschen in dieser Stadt zeigen sie, wer sie waren und wer sie geworden sind. Ob nun mit seinen großformatigen Bildern in der Universität, den Fotografien von Menschen aus Bethel, die auf einem Stadtbahnzug durch Bielefeld unterwegs sind, oder mit den zahlreichen anderen Kunstprojekten Mettes – stets liegt ihrer Präsenz der Wunsch zugrunde, die Kunst in den Alltag der Menschen hineinzuholen.
Mit den gesellschaftlichen Brüchen – seien es Probleme der fortschreitenden Urbanisierung, der ökologischen Krise oder radikale politische Verwerfungen – sind uns allen alte Gewissheiten abhandengekommen. Wie bei einem Seismografen hat Veit Mettes Kunst sich verändert und die Form einer Suchbewegung angenommen. Mithilfe von Mehrfachbelichtungen setzt er Bildwelten in Bewegung, die das Unscharfe und Ungewisse dieser Suche ausdrücken. Die Grenze zwischen Fotografie, grafischer Darstellung oder Malerei wird dabei überschritten und stellt den Versuch dar, die Suche nach neuen Gewissheiten zu einer allgemeinen, zu einer gemeinsamen Sache zu machen.
15.03.2026, 11:30 Uhr
Vortrag
Gisela Burkamp
Kunst-Geschichte in Oerlinghausen
Gisela Burkamp, 1941 in Berlin geboren, 1962 Abitur und Beginn des zweijährigen Volontariats bei der Westfälischen Zeitung in Bielefeld. 1964 Heirat mit Dieter Burkamp, zwei Kinder. Seit 1970 freie Journalistin für Kunstkritik. Ab 1986 Studium der Kunstgeschichte, Publizistik und Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, 1996 Magisterabschluss. 1980 bis 2010 Künstlerische Leiterin des Kunstvereins Oerlinghausen. Freie Kuratorin und Publizistin.
„Haus unseres Gedächtnisses“
Diese Zeilen aus einem Gedicht von Zygmunt Januszewski für die Gemeinschaftsausstellung mit Fred Schierenbeck – Haus im Haus – steht programmatisch für 50 Jahre Kunstverein Oerlinghausen. Kunstverein ist Bürgerinitiative, und genau deshalb entstand ein Kunstverein in Oerlinghausen. An die Anfänge, die Begeisterung und die Schwierigkeiten, die Arbeit, die Rückschläge und die Erfolge sei in einem Rückblick erinnert. Das gilt auch für die Personen, die Gründung und Fortbestand ermöglicht haben. Dass die ehemalige Synagoge, seit 1980 Domizil des Kunstvereins, überhaupt zu einem Haus des Gedächtnisses werden konnte, ist ein Gemeinschaftswerk der Mitglieder, aber auch von politischen Kräften in Oerlinghausen, die sich für die Erhaltung und später die Renovierung eingesetzt haben.
Kunst und Erinnerung – in den Jahresprogrammen des Kunstvereins sind sie seit Beginn vor 50 Jahren entscheidende Vorgaben. Besondere Beispiele sollen die gelungene Balance zwischen beiden Kräften belegen.
22.03.2026, 11:30 Uhr
Vortrag
Karl Banghard
Nazis im Wolfspelz
Kulturkampf ist nicht allein ein politisches Instrument der extremen Rechten. Der Hang zum Kulturkampf hat darüber hinaus tiefe ideologische und psychologische Wurzeln. Das gilt insbesondere für die Vorzeit: Frühgeschichtsthemen sind in der extremen Rechten ein Anzeiger für Radikalisierung. In der Öffentlichkeit werden sie dagegen als harmloser Spleen wahrgenommen. Wenn etwa ein Politstar wie Björn Höcke als „Hermann der Cherusker“ angekündigt ist, wird das nicht als peinlich, sondern als nahezu normal hingenommen. Dieses „nahezu normal“ hat es in sich. Denn die extrem rechte Frühgeschichtserzählung bietet mehr als schlechte Archäologie für einfache Gemüter. Es geht um die serielle Produktion von Sinn, um die Entwicklung einer eigenen Sprache. Ausgehend vom Versprechen, den Menschen in ein ursprüngliches, barbarisches, geborgenes und widerspruchsfreies Sein zurückzuversetzen, werden völkische Kernerzählungen weitergegeben. Frühgeschichte ist in der Szene omnipräsent: In den Medien, in Outfits, in der Musik, in der Religiosität, in den Symbolen, in der Kaderschulung, selbst in der politischen Programmatik spielt es eine zentrale Rolle. Geboten wird eine Erzählung, deren Kernaussagen im Jahr 1945 eingefroren zu sein scheinen. So kommen völkische Saatbomben in Kommunikationsräume, die der extremen Rechten ansonsten verschlossen sind. Saatbomben mit guten Chancen, politische Blüten zu treiben. Denn Geschichte verspricht die Erklärung, wie es zu unserer heutigen Gesellschaft gekommen ist. Extrem rechten Strategen ist das sehr bewusst, wie bei keinem anderen politischen Lager spielt dort Geschichtspolitik eine zentrale Rolle – und das nicht irgendwo, sondern überall, auch in der Nachbarschaft der Alten Synagoge Oerlinghausen.
Der Referent Karl Banghard leitet seit über 20 Jahren das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen. Zuvor verantwortete er den Aufbau einer mittelalterlichen Burg, den Aufbau des Federseemuseums und des neuen Pfahlbaumuseums am Bodensee. Er hat in Bonn und Heidelberg prähistorische und christliche Archäologie sowie Mongolistik studiert.
01.03.–26.04.2026
Ausstellung
Veit Mette
Gewissheiten
Mit dieser Ausstellung präsentiert der Kunstverein neue Arbeiten des Bielefelder Fotografen Veit Mette (Jahrgang 1961). Seine dokumentarischen Bilder sind als Momentaufnahmen die fotografische Biografie einer Stadt: Bielefeld. Sie halten künstlerisch fest, was sonst im Strom der Zeit verloren geht. Den Menschen in dieser Stadt zeigen sie, wer sie waren und wer sie geworden sind. Ob nun mit seinen großformatigen Bildern in der Universität, den Fotografien von Menschen aus Bethel, die auf einem Stadtbahnzug durch Bielefeld unterwegs sind, oder mit den zahlreichen anderen Kunstprojekten Mettes – stets liegt ihrer Präsenz der Wunsch zugrunde, die Kunst in den Alltag der Menschen hineinzuholen.
Mit den gesellschaftlichen Brüchen – seien es Probleme der fortschreitenden Urbanisierung, der ökologischen Krise oder radikale politische Verwerfungen – sind uns allen alte Gewissheiten abhandengekommen. Wie bei einem Seismografen hat Veit Mettes Kunst sich verändert und die Form einer Suchbewegung angenommen. Mithilfe von Mehrfachbelichtungen setzt er Bildwelten in Bewegung, die das Unscharfe und Ungewisse dieser Suche ausdrücken. Die Grenze zwischen Fotografie, grafischer Darstellung oder Malerei wird dabei überschritten und stellt den Versuch dar, die Suche nach neuen Gewissheiten zu einer allgemeinen, zu einer gemeinsamen Sache zu machen.
15.03.2026, 11:30 Uhr
Vortrag
Gisela Burkamp
Kunst-Geschichte in Oerlinghausen
Gisela Burkamp, 1941 in Berlin geboren, 1962 Abitur und Beginn des zweijährigen Volontariats bei der Westfälischen Zeitung in Bielefeld. 1964 Heirat mit Dieter Burkamp, zwei Kinder. Seit 1970 freie Journalistin für Kunstkritik. Ab 1986 Studium der Kunstgeschichte, Publizistik und Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, 1996 Magisterabschluss. 1980 bis 2010 Künstlerische Leiterin des Kunstvereins Oerlinghausen. Freie Kuratorin und Publizistin.
„Haus unseres Gedächtnisses“
Diese Zeilen aus einem Gedicht von Zygmunt Januszewski für die Gemeinschaftsausstellung mit Fred Schierenbeck – Haus im Haus – steht programmatisch für 50 Jahre Kunstverein Oerlinghausen. Kunstverein ist Bürgerinitiative, und genau deshalb entstand ein Kunstverein in Oerlinghausen. An die Anfänge, die Begeisterung und die Schwierigkeiten, die Arbeit, die Rückschläge und die Erfolge sei in einem Rückblick erinnert. Das gilt auch für die Personen, die Gründung und Fortbestand ermöglicht haben. Dass die ehemalige Synagoge, seit 1980 Domizil des Kunstvereins, überhaupt zu einem Haus des Gedächtnisses werden konnte, ist ein Gemeinschaftswerk der Mitglieder, aber auch von politischen Kräften in Oerlinghausen, die sich für die Erhaltung und später die Renovierung eingesetzt haben.
Kunst und Erinnerung – in den Jahresprogrammen des Kunstvereins sind sie seit Beginn vor 50 Jahren entscheidende Vorgaben. Besondere Beispiele sollen die gelungene Balance zwischen beiden Kräften belegen.
22.03.2026, 11:30 Uhr
Vortrag
Karl Banghard
Nazis im Wolfspelz
Kulturkampf ist nicht allein ein politisches Instrument der extremen Rechten. Der Hang zum Kulturkampf hat darüber hinaus tiefe ideologische und psychologische Wurzeln. Das gilt insbesondere für die Vorzeit: Frühgeschichtsthemen sind in der extremen Rechten ein Anzeiger für Radikalisierung. In der Öffentlichkeit werden sie dagegen als harmloser Spleen wahrgenommen. Wenn etwa ein Politstar wie Björn Höcke als „Hermann der Cherusker“ angekündigt ist, wird das nicht als peinlich, sondern als nahezu normal hingenommen. Dieses „nahezu normal“ hat es in sich. Denn die extrem rechte Frühgeschichtserzählung bietet mehr als schlechte Archäologie für einfache Gemüter. Es geht um die serielle Produktion von Sinn, um die Entwicklung einer eigenen Sprache. Ausgehend vom Versprechen, den Menschen in ein ursprüngliches, barbarisches, geborgenes und widerspruchsfreies Sein zurückzuversetzen, werden völkische Kernerzählungen weitergegeben. Frühgeschichte ist in der Szene omnipräsent: In den Medien, in Outfits, in der Musik, in der Religiosität, in den Symbolen, in der Kaderschulung, selbst in der politischen Programmatik spielt es eine zentrale Rolle. Geboten wird eine Erzählung, deren Kernaussagen im Jahr 1945 eingefroren zu sein scheinen. So kommen völkische Saatbomben in Kommunikationsräume, die der extremen Rechten ansonsten verschlossen sind. Saatbomben mit guten Chancen, politische Blüten zu treiben. Denn Geschichte verspricht die Erklärung, wie es zu unserer heutigen Gesellschaft gekommen ist. Extrem rechten Strategen ist das sehr bewusst, wie bei keinem anderen politischen Lager spielt dort Geschichtspolitik eine zentrale Rolle – und das nicht irgendwo, sondern überall, auch in der Nachbarschaft der Alten Synagoge Oerlinghausen.
Der Referent Karl Banghard leitet seit über 20 Jahren das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen. Zuvor verantwortete er den Aufbau einer mittelalterlichen Burg, den Aufbau des Federseemuseums und des neuen Pfahlbaumuseums am Bodensee. Er hat in Bonn und Heidelberg prähistorische und christliche Archäologie sowie Mongolistik studiert.
Zur Geschichte der Synagoge in Oerlinghausen
Jürgen Hartmann zeigt auf einer eigenen Website eindrucksvoll dank zahlreicher historischer Quellen die neuesten Erkenntnisse zur Geschichte der Synagoge in Oerlinghausen – von 1894 bis heute.